Montag, 29. August 2016

3 geniale Sundowner für Große und Kleine



Ein herrlicher Sommerabend. Langsam geht die Sonne unter. Für mich die schönste Zeit des Tages. Zumindest im Sommer. Zeit für einen Sundowner, ein cooles Getränk für Große und Kleine. Ganz ohne Alkohol!


Flotter Hugo 

350 ml Ginger Ale
  70 ml Holunderblütensirup
    1 in kleine Ecken geschnittene Limette
450 ml Mineralwasser
in eine Karaffe füllen, kurz vermischen und auf Gläser verteilen.
Mit frischer Minze, Strohhalm und reichlich Eiswürfeln servieren.

Hot Red

 20 ml Granatapfelsirup
200 ml roter Traubensaft
 20 ml Schwarzer-Johannisbeer-Nektar
in eine Karaffe schütten, kräftig durchmixen und auf zwei Gläser verteilen, einige Eiswürfel hinzufügen. Mit einer Johannisbeer-Rispe oder ein paar Erdbeeren auf einem Spießchen garnieren.


Abendrot (super für Kinder)

je 2 cl Limettensirup und
    8 cl Kirschnektar
in ein Cocktailglas oder eine Miniflasche mit Strohhalm füllen, Eiswürfel dazu geben und verrühren.
Das Glas mit Ginger Ale auffüllen und mit einer Cocktailkirsche, einem Stück Orange oder Zitrone und einem Strohhalm garnieren. Bei der Mini-Flasche einfach Deckel schließen und servieren.




Wundertütentage
wünscht Frau Rose


Montag, 22. August 2016

Lies.Mir.Vor!

"Liest du mir was vor?", bittet der kleine Junge in der U-Bahn seine Mutter. Fordernd hält er ihr ein Buch vor die Nase.
"Jetzt nicht. Später", antwortet die Mutter und starrt weiter auf ihr Handy. "Schau einfach die schönen Bilder an."

Als der Junge merkt, dass ich die Szene beobachte, grinst er zu mir herüber und hält mir das Buch hin. "Dann du. Liest du mir was vor?"

"Deine Mama liest bestimmt viel schöner als ich", ist meine diplomatische Antwort. Und die Möglichkeit, mich irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Auf keinen Fall will ich seine Mama verärgern. Denn ein kleines bisschen kann ich sie verstehen.

Mal ehrlich - Vorlesen macht nicht immer Sp. Manchmal würde ich auch lieber ... ach, einfach tausend andere Sachen machen. 
Würde. Hätte. Täte. Könnte.
Besser ist es, man lässt allen unnützen Kram und liest vor. Trotzdem. Weil es die Sache wert ist. Damit irgendwann das Kind/die Kinder selbst und mit Freude lesen. Völlig ins Buch versunken ...



Träume vom Lesen und Vorlesen

Es gibt Momente, da wünsche ich mir, wir hätten keine Bücherregale. Zumindest keine, die von kleinen, grabbeligen Kinderhänden erreicht werden können. Mein Morgen sähe anders aus, romantischer. Ich würde mit einem zarten Kuss von meinem Mann geweckt, noch im Bett würde ich den ersten Kaffee trinken, dazu ein Biss ins knusprige Croissant ... ach!

Die Realität: Mitten in der Nacht, auf jeden Fall weit vor dem Weckerrasseln, wird die Bettdecke schwungvoll zur Seite gerissen. Klatschend landet ein Bilderbuch auf meinem schlafwarmen Bauch, ein kleiner Körper schiebt sich neben meinen, zwei Hände rütteln an mir als müsste ich von den Toten wiedererweckt werden.

"Lesäääään!", fordert eine energische Stimme. "Bittää!"
Einen winzigen Moment lang überlege ich, ob ich mein Kind anbrüllen, aus dem Bett werfen oder gleich zur Adoption freigeben soll. Wirklich nur einen Sekundenbruchteil. 

Dann erinnere ich mich an meinen Beruf. Ich bin Autorin!
Schreibe Bücher. Genau diese Dinger, die bei uns in den zahlreichen Regalen stehen. Wer soll sie denn vorlesen, wenn nicht ich?

Also gut. Kissen in den Nacken, Arm um die Schulter des Kindes, Buch aufgeklappt. 
Stopp. 
Das zweite Kind will auch noch mithören. 
Buch wieder zurechtlegen und ... 
stopp! 
Wo zwei Kinder hinpassen, ist auch Platz für drei, mit mir schon vier. Langsam wird es eng im Bett, aber das stört keinen großen Geist. Alle da? 

Und dann beginnt der schönste Morgen, den man sich vorstellen kann. Wir sausen auf fliegenden Teppichen, überfallen Piratenschiffe, landen geradewegs im Taka-Tuka-Land oder in Lönneberga, besiegen Monster oder feuerspuckende Drachen.

Was kann da noch passieren? Hallo, Welt, wir kommen. Bärenstark und tipp-topp wach. Nebenbei gibt es auch noch den Guten-Morgen-Kuss von Mann und Papa, der sich ebenfalls in Bett gedrängt und heimlich zugehört hat. 
Ein Hoch auf unsere gefüllten Bücherregale!

(Copyright: Barbara Rose)


Wundertütentage
wünscht Frau Rose


Montag, 15. August 2016

Kinderleichte Sommerspiele

Himmelblau, lichtblau, azurblau
Was für ein Himmel! Wie das Wasser leuchtet!
Fast nur noch Sonne, keine grauen Wolken. Ferienzeit für manche, Sommerzeit für alle!
Passend dazu kommen hier viele Spiel-Ideen für Kinder. Spiele für den Strand, das Freibad oder einfach den Sandkasten daheim!






Feriensport
Ein Herr in Badehose stand
an einem wunderschönen Strand.
Er schlug sich vor die Stirn. Wieso?
Doch schlug er sich auch anderswo:
auf Schenkel, Schulter, Buckel, Bauch,
auf Hals, Ohr, Kinn, Knie, Wade auch.
Der Herr war, unter uns gesagt,
im Augenblick auf Mückenjagd.
(nach Josef Guggenmos)





Spieltipp für Sand oder Strand: Tropfturm-König

Sand zwischen den Zehen. Sand, der langsam durch die Finger rinnt. Das ist das perfekte Sommergefühl! Ob im Sandkasten zu Hause oder am Strand, dieses Spiel ist kinderleicht! Lasst richtig nassen Sand ganz langsam durch Eure Finger auf die gleiche Stelle rinnen. Tropfen für Tropfen entsteht so ein Turm. Wer schafft es, den höchsten zu bauen? Wer wird Tropfturm-König?


Foto: Antje Szillat

Schnapp den Delfin!
Schneidet aus blauem Moosgummi viele Delfine aus. Füllt Wasser in eine große Plastikwanne und gebt die Fische dazu. Nun kniet sich jeder Mitspieler vor die Wanne, hinter jedem steht eine kleine Schüssel. Mit dem Startsignal schnappt sich jeder Spieler so schnell wie möglich einen Delfin und wirft ihn über die Schulter in seine Schüssel, allerdings ohne sich dabei umzudrehen! Wer am Schluss die meisten Fische nicht nur geangelt, sondern auch in seiner Schüssel hat, ist Gewinner.



Ziemlich feuchter Spieletipp für draußen: Badetiere angeln

Füllt ein Planschbecken oder eine große Wanne mit Wasser. Nun lasst ihr für jedes Kind, das mitspielen möchte, ein Gummitier schwimmen. Badeenten, Schwimmbienen, Spritztiere, was immer ihr zu Hause habt. Mit einem großen Löffel versucht nun jedes Kind, „sein” Tier so schnell wie möglich aus dem Wasser zu holen. Dabei knien sich alle Mitspielenden rund um das Becken. Achtung: Beim Herauslöffeln darf die freie Hand nicht mithelfen! Der Sieger kann die anderen nun ordentlich nass spritzen, dann geht das Spiel von vorne los.

Flossen-Wettlauf
Ob am Baggersee, am Meeresstrand oder im Freibad, dieses lustige Spiel geht überall! Ihr braucht dazu nur zwei Paar Taucherflossen (im Notfall gehen auch die großen Badeschlappen der Eltern). Markiert mit Steinen, Muscheln, kleinen Ästen oder Handtüchern zwei gleich lange Rennstrecken sowie Start und Ziel. Nun teilt ihr die Mitspieler in zwei Gruppen, es müssen immer zwei Spieler gegeneinander antreten. Stellt euch am Start hintereinander auf. Die beiden Spieler (einer aus jeder Gruppe), die vorne stehen, ziehen nach dem Startsignal die Taucherflossen an und setzen, wenn vorhanden, noch eine Taucherbrille auf. Dann rennen beide los ‑ es ist gar nicht so einfach, in dieser Aufmachung auf dem Trockenen zu laufen! Der Sieger bekommt einen Punkt, dann läuft der nächste Mitspieler los. Die Mannschaft mit den meisten Punkten hat gewonnen und darf die Verlierer ordentlich nass spritzen!


Wundertütentage
wünscht Frau Rose

Dienstag, 9. August 2016

The Making-of ... einer Fee

Am Anfang war da die riesengroße Lust, die Geschichte einer kleinen Fee zu schreiben. 
Einer Fee, die nicht (nur) niedlich ist, sondern auch eigensinnig und frech, manchmal unsicher, aufmüpfig, aber stets liebenswert. 
Hier ein kleiner Einblick in Rosalies Welt:


Illustration: Naeko Ishida in: Die Feenschule - Oetinger Verlag

Genau so wie Rosalie hatte ich mir als Kind immer eine Fee gewünscht. Meinen Kindern ging es ähnlich. Und dem Oetinger Verlag glücklicherweise auch!

Wie schon Astrid Lindgren gesagt hat: "Man muss sich an das Kind erinnern können, das man selbst gewesen ist, an die Gefühle, an die Träume. Dann kann man Kinderbücher schreiben."

Aus diesem Grund mag ich Feen. Immer noch.
Auch Zauberer, Kobolde, Trolle und Einhörner. Genauso wie Riesen, Hexen und Gespenster. Ich habe großen Spaß daran, mir phantastische Wesen auszudenken und ihnen magische Eigenschaften zu geben. 


Illustration: Naeko Ishida in: Die Feenschule - Oetinger Verlag


Illustration: Naeko Ishida in: Die Feenschule - Oetinger Verlag

Ich schreibe gerne Geschichten über solche zauberhaften Wesen. 
Geschichten über die Blütenwald-Schule, in die Rosalie und ihre Freundin Nikki gehen, über ihre Freundschaft mit dem Trolljungen Jokkel, über Mut und Abenteuer. 


Illustration: Naeko Ishida in: Die Feenschule - Oetinger Verlag


Ich bin ganz sicher: Kinder fühlen sich in solch einem Kosmos wohl. Sie wünschen sich, tief in magische Welten einzutauchen. 
Als Kinderbuchautorin bin ich gerne Wunsch-Erfüllerin


Illustration: Naeko Ishida in: Die Feenschule - Oetinger Verlag

Wie gut, dass mein Verlag die großartige Illustratorin Naeko Ishida ausgewählt hat, um meinen Text lebendig werden zu lassen. So begann ein wunderbarer Austausch zwischen Lektorat, Illustratorin und mir, der Autorin. 

Herausgekommen sind diese zwei Bücher, die in den nächsten Tagen (auch als Hörbücher) erscheinen und jetzt schon vorbestellt werden können:





Ich freue mich, wenn Große und Kleine, Mädchen und auch Jungen die Feenschule gerne lesen.

Und allen, die mehr von der kleinen Fee Rosalie, dem Trolljungen Jokkel, von der Schulleiterin Frau Windhauch, den rotzfrechen Kobolden und über den Glückskakao von Pomeranza, der Küchenfee, lesen möchten, sei jetzt schon verraten

Im Frühjahr 2017 geht es mit neuen Abenteuern weiter!

(alle Bilder auf dieser Seite: 
Copyright: Naeko Ishida/Verlagsgruppe Oetinger)


Wundertütentage
wünscht Frau Rose

Donnerstag, 4. August 2016

Ritter-to-go!

Ich kenne kein Kind, das nicht irgendwann mal Ritter sein wollte. Ein tapferer, mutiger Kerl, der ein Burgfräulein vor dem wilden Drachen rettet. Oder einen Gegner mit Schmackes von seinem galoppierenden Pferd stößt. 
Echt nix für Feiglinge!


Besonders im Sommer bietet es sich für Familien an, gemeinsam eine kühle Burg zu erobern. Deutschland ist voll von märchenhaften Schlössern und trutzigen Burgen.
Bestens geeignet auch für jeden Kindergeburtstag, denn häufig kann man das Bogenschießen, eine Burgführung mit Verkleiden oder ein zünftiges Rittermahl gleich dazu buchen. 
Zum Basteln gibt es noch die Ritter-to-go:





Aus Tonpapier einen Halbkreis schneiden und zum Unterleib zusammenkleben. Ein Gesicht auf eine Styroporkugel malen, mit einem Schaschlikspieß am Körper befestigen. Ebenfalls aus Tonpapier die Arme und einen coolen Ritterhelm basteln. Ein Stück vom Obstnetz wird zum Kettenhemd, für das Wappen ein Stückchen Filz und Alufolie verwenden.
Fehlt nur noch die echte Rittergeschichte:

Illustration: Cornelia Haas in: Ritter, Räuber, Riesendrachen (Coppenrath Verlag)


 Ritter Hubert von Holperstein und der Riese

Der edle Ritter Hubert von Holperstein lag auf dem Feldbett in seinem Reisezelt und starrte voller Angst in die Dunkelheit. Seine Knie schlotterten unter dem dünnen Nachthemd, die Zähne klapperten wie Deckel auf heißen Suppentöpfen. Mit einem feinen Spitzentaschentuch tupfte er sich den Schweiß von der Stirn. Unruhig wälzte der Ritter sich hin und her und zählte Schäfchen, um endlich schlafen zu können. Aber so sehr er sich auch bemühte, der Gedanke an seinen nächsten Kampf ließ ihm keine Ruhe.

"Morgen soll ich den grässlichen Riesen Goggomol aufspüren und töten", flüsterte Hubert seinem Kuschelbären zu. "So ein unglückliches Unglück, dass das Los von allen Rittern in der Gegend ausgerechnet auf mich fallen musste. Ich will doch gar nicht kämpfen!"
In diesem Moment ertönte von draußen ein furchtbares Schnaufen und Röcheln, ein Poltern und Scheppern.

"Wa-wa-was ist da-da-das?" Hubert von Holperstein zog erschrocken die kratzende Wolldecke bis zu den Klapperzähnen und versuchte, sich möglichst unsichtbar zu machen.
In seiner Betthöhle hörte er als Nächstes ein Reißen und Knirschen, gefolgt von einem dumpfen Knall. Dann spürte er einen fiesen, kalten Luftzug.

Als der tapfere Ritter vorsichtig unter der Decke hervolugte, bot sich ihm ein schreckliches Bild: Sein Feldbett stand auf einmal schutzlos mitten in der Lichtung. Daneben konnte er im Schein des Lagerfeuers geade noch die Überreste seines niedergewalzten Zeltes erkennen. Die Stangen lagen kreuz und quer in der Gegend herum, und die zerfetzte Zeltplane hing wie eine Tischdecke über einem riesigen, zappelnden Etwas, das Hubert nicht erkennen konnte.

"Hallo? Ist da jemand?", wisperte der Ritter ziemlich kläglich.
Während er noch überlegte, ob er jetzt tollkühn sein oder sich besser unter der Matratze verkriechen sollte, richtete sich die Zeltplane auf. Höher, höher, immer höher.
Vor Staunen ließ Hubert von Holperstein die Bettdecke fallen. Beim Anblick des Etwas, das sich vor ihm aufbaute, bekam er Stielaugen ...

Wie die Geschichte weitergeht könnt ihr nachlesen in:
Ritter, Räuber, Riesendrachen. Geschichten und Gedichte, illustriert von Cornelia Haas. Coppenrath Verlag


Wundertütentage
wünscht Frau Rose


Donnerstag, 28. Juli 2016

Blau machen!

Kaum hat sich der Sommer bei uns eingelebt, brauche ich unbedingt Urlaubsfeeling.



Das geht auch ganz ohne freie Tage und Urlaubsquartier! 
Tagträumen kann man auch auf dem Balkon, im Garten, im Park ...
Ganz dringend gehören für mich dazu: viel Holz, am besten Strandgut. Selbst gesammelt und voller Urlaubserinnerungen. Außerdem Muscheln in allen Formen und Größen. Kissen in vielen Blautönen, Baumwollstoffe oder kühles Leinen für den Tisch. Geschirr aus natürlichen Materialien und meerblaue Windlichter. 
Sieht ganz nach Urlaub aus!




 


Und wenn dann noch der Himmel knallblau ist, ist Wunschtraumzeit!


Mal deine Wünsche in den Himmel.
Wünsche wie Wolken, wie Apfelschimmel.
Wünsche so groß wie ein Riesenrad.
Wünsche so klein wie ein Zinnsoldat.
Für alles ist Platz -
ob Ball oder Spatz,
ob Eisbär oder Marmeladenglas.
Schau in den Himmel 
und wünsch dir was!
(Gerda Anger-Schmidt)


Wundertütentage
wünscht Frau Rose


Sonntag, 24. Juli 2016

Das Hausmonster

Leere Keksdosen. Gerade erst gekaufte Pralinenschachteln ohne Inhalt. Dinge, die wie von Zauberhand verschwinden. 
Wer kennt das nicht 
Gespenstisch! Ein fressender Teppichboden? Ein schwarzes Loch im eigenen Haus? Einbrecher?
Falsch! Die Lösung ist viel überraschender ...





Das Hausmonster

Gestatten, dass ich meine Familie vorstelle? Zur Rechten mein Mann, daneben die Kinder. Zur Linken Knusper.  
Unser Hausmonster.

Wie bitte, Sie können Knusper nicht sehen?
Hm. Das wundert mich, ehrlich gesagt, nicht besonders. Ich konnte es auch lange nicht sehen. Nicht wirklich. Ich musste mich beinahe dazu zwingen, dass es da irgendein Wesen geben muss, das ..

Alles fing damit an, dass mein Mann die leeren Keksdosen, die zerknüllten Schokoladenpackungen und die Gummibärchentüten nicht mehr mit einer kleinen nächtlichen Hungerattacke erklärte, sondern mit ... ... einem Hausmonster!
Ein empörter Blick traf mich:
"Wie kommst du darauf, dass ich das gegessen habe? Das war Knusper!"

Auch die Kinder lernten unseren neuen Gast ziemlich schnell kennen. Ich erinnere mich, dass der Vorrat an Haargummis wieder einmal von der Schwindsucht befallen waren. Obwohl wir kürzlich mit einem Großeinkauf für Nachschub in Sachen Haarbändigung gesorgt hatten. Doch dieses Mal prallten alle Vorwürfe an den Kindern ab. 
Verloren? Irgendwo vergessen? Verlegt? Von wegen:
"Wir waren das nicht. Das war Knusper!"

Ab diesem Zeitpunkt waren die Kinder weder für verschwundene Brotdosen oder Schnürsenkel der Fußballschuhe verantwortlich noch für abhanden gekommene Schulhefte, Füller und Radiergummis.
Kollektives Kopfschütteln und große Kulleraugen:
"Knusper hat alles gefressen, Mama. Können wir gar nix dafür!"

Ich hatte ja schon immer den Verdacht, dass wir einen fressenden Teppich oder ein schwarzes Loch in unserem Haus haben müssen. Deshalb überraschte mich die Existenz von Knusper, dem Hausmonster, nicht besonders. Plötzlich war mir klar, dass der ständige Schwund von immer genau einer Herrensocke eines Paares nicht der Schusseligkeit meines Mannes oder einem Leck in der Waschmaschine anzukreiden war, sondern ... Knusper!
Auch die leergefutterten Vorräte in unserem Keller mussten das Werk dieses Hausmonsters sein. Denn nie und nimmer würden meine Kinder ... oder gar mein Mann ... auch noch heimlich ... nie!
Niemals.

Ich begann nachts zu träumen. Von einem Monster, das neben meinem Bett hübsche Haarspängchen wie Salzstangen knurpsend in sich hinein mampfte. Dass sich dann über die Sockenschublade meines Mannes hermachte und genussvoll jeweils die rechte Socke verspeiste. Schließlich in den Keller hüpfte, um dort die feinen Cantuccini, die wir für besondere Anlässe extra aus Florenz mitgebracht hatten, zu verspeisen.
Knusper, knusper, knusper ... schmatz!

Eine Zeit lang haderte ich mit der möglichen Existenz von Knupser, dann ließ ich unser Hausmonster einfach gewähren. Ich begann sogar, mich mit der Anwesenheit von Knusper anzufreunden. So kam es, dass Knusper seine Geschmacksrichtung erweiterte. Plötzlich fand das Hausmonster erstaunlich viel Gefallen an den Nougatpralinen meines Mannes, die seine Mutter ihm immer als Spezial-Sondergeschenk mitbrachte. Knusper ließ sich sogar hinreißen, meinem Mann zwei seiner guten Flaschen Spätburgunder, die für sein nächstes Kartenspielen reserviert waren, zu entwenden. Ausgerechnet während eines fröhlichen Weibertreffens in unserem Haus. Unerhört! 

Schließlich entdeckte mich mein Mann eines Nachts in der Küche. Gerade hatte ich es mir mit einer Zeitschrift auf den Beinen gemütlich gemacht, eine Kerze angezündet und die frisch gekaufte Familienpackung Vanilleeis vor mir aufgebaut.  Da stolperte mein Angetrauter die Treppe herunter. Ein Glück, dass ich gerade noch geistesgegenwärtig sagen konnte, dass ich Knusper - sozusagen - in flagranti erwischt hatte.

In diesem Moment legte sich ein pelziger Arm um meinen Körper, drückte mich eng an sein wuscheliges Fell und presste mir einen glibbrigen Kuss auf den Mund. 
Unser Hausmonster.
Knusper!
Der Abend war gerettet.

(Copyright: Barbara Rose)



Wundertütentage
wünscht Frau Rose