Mittwoch, 11. Januar 2017

Lu-la-Land oder Im Land der Träume

Familie ist schön.
Meistens. Fast immer. Oft. 
Nur manchmal ... träumt man sich kurz mal weg
Und dann passiert Folgendes:




Manchmal träume ich davon, dass ich keine Kinder habe. 
Mit wehenden Haaren brause ich im offenen Cabrio durch die Welt, schlendere gemütlich durch die Läden und Museen diverser Großstädte, lasse kräftige Masseure in eleganten Wellness-Hotels an meinen Problemzonen arbeiten und perfekt geschminkte Kosmetikerinnen an meinem Aussehen. 
Am Abend beleuchtet Kerzenlicht den Tisch in einem feinen Restaurant, während ich mit einem strahlend schönen Mann entspannt und losgelöst vom Hier und Jetzt ein fünfgängiges Menü verspeise. Ein bisschen Kaviar, ein wenig Hummer und viel Champagner statt tieffliegender Pommes, Ketchup-Seen auf dem Tischtuch und schaumigem Spezi - erst gerührt und dann geschüttelt. Kein Kinderquatsch, kein Kindergejammer stört meinen Traum, ich bin geborgen in einer Oase der Ruhe. 
Mit glückseligem Lächeln und neuem Körpergefühl erwache ich. Schön, schlank, völlig erholt. 
Eine Göttin. Weiblichkeit in Perfektion.

Dann hüpfe ich, noch ganz verträumt, leichtfüßig aus meinem Bett. Schwebe milde lächelnd aus der Schlafzimmertür, tripple auf dem weichen Teppich den Flur entlang und mitten hinein in eine Horde nackter Blondinen! Kreuz und quer liegen sie über den Teppich verteilt, recken mir ihre blanken Busen und Wespentaillen entgegen. Instinktiv verstecke ich meinen Bauchansatz in den Seidenfalten des Nachthemds, spanne den von Orangenhaut geplagten Po und versuche, mein leichtes Doppelkinn in die Höhe zu zwingen. Kurz gesagt: ich bin erschüttert und neidisch auf so viel geballte Sinnlichkeit am frühen Morgen und brülle sofort los "Wer hat die doofen Barbies hier liegen lassen?"

Eilfertig kommt meine kleine Tochter angelaufen, packt die nackten Weiber in ihr pinkfarbenes Barbie-Sammel-Körbchen und wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu. "Die sind nicht doof, Mami, die sind schön. Als du noch nicht so alt warst, hast du bestimmt auch mal so ausgesehen." Dann nimmt sie ihren Korb mit all dem wohlgestalteten Weibsvolk und trägt die Damen würdevoll ins Kinderzimmer.

Ich breche weinend vor der Badezimmertür zusammen. Ach, diese Schmach! Wo ist der Spalt im Erdboden, in den ich versinken könnte? Den Blick in den Spiegel verkneife ich mir heute, hülle mich flugs in meinen alten Bademantel und eile zum Frühstück. Auf halber Strecke trete ich versehentlich auf ein Rennauto, das eins der Kinder nicht ganz vorschriftsmäßig vor der Treppe geparkt hat. Der kleine Flitzer bringt mein rechts Bein so in Schwung, das zunächst Auto und Bein, dann der übrige Körper in Nico-Rosberg-Manier die Treppe hinunterrasen. 
Dieser Rausch der Geschwindigkeit!

"Au Backe", höre ich meine kleine Tochter sagen. "Is was passiert?", erkundigt sich mein Mann aus der Küche. 
Natürlich nicht. Graziös richte ich mich wieder auf, bin aber noch etwas benommen. Im Geiste sehe ich meinen Kopf, der unter die Kommode gerollt ist, setze ihn wieder auf den rechten Fleck. Greife nach den Beinen, die auf der untersten Treppenstufe liegen, und klemme sie an den Körper. Schlenkere schließlich so lange mit den Armen, bis sich die Knoten von selbst lösen, erhebe mich, setze ein freundlich-energisches Gesicht auf und schreite in die Küche.

Sofort prasselt eine Ladung klebriger Cornflakes auf mich ein. Meine achtjährige Tochter hat in blendender Frühstückslaune eine Portion Müsli in meine Richtung geschleudert, fröhlich unterstützt von meinem Gatten. Keck lädt er ein paar Haferflocken auf seinen Kaffeelöffel und bläst zum zweiten Angriff. Halali!
Im Land der Träume hatte ich beinahe vergessen, wie putzig meine Familie ist.

Ich schaue die Spaßvögel strafend an.
"Du bist heute aber unlustig", mault mein Mann.
"Oh je", bemerkt das älteste Kind. "Mami hat schlecht geschlafen." 
"Die sieht komisch aus mit ihrem Bantel", blökt die Jüngste. Offensichtlich meint sie, dass ich in meinem alten Bademantel nicht sonderlich attraktiv wirke. "Ich glaube, die Mami ist stinkig, weil ihre Busen nicht mehr so Berge sind wie bei den Barbies", wirft das mittlere Kind mitleidig in die Runde. Meine Kinder und mein Mann starren mich an, nicken wissend und flüstern sich etwas zu.

Gerade will ich frustriert die Küche verlassen, da umarmt mich mein Göttergatte liebevoll, drückt mir einen Kuss auf den Mund und eine Tasse Kaffee in die Hand: "Guten Morgen, schönste aller Frauen. Wir warten schon die ganze Zeit. Ohne dich ist das Frühstück nur halb so nett."

Später schneide ich Frühstücksbrote, fülle Trinkflaschen und beginne wieder zu träumen. Dass ich mit Mann und Kindern in einem riesigen Campingbus durch die Lande fahre, in Schwimmbädern herumtolle, am Meer Sandburgen baue, heimlich alle Barbies darin vergrabe, Berge von Pommes in mich und die Kinder hineinstopfe ...

... wer will schon allein Cabriolet fahren?

(Copyright: Barbara Rose)


Wundertütentage
wünscht Frau Rose

Samstag, 31. Dezember 2016

Ein Wunsch-Gedicht zum Jahresende

Was soll ich mir wünschen zum Jahreswechsel?
Was wünsche ich euch für das kommende Jahr?
Ein wunderbarer Kollege hat die Antwort:
James Krüss!


Gedicht für jeden Tag im Jahr

Jeder wünscht sich jeden Morgen
irgendetwas - je nachdem.
Jeder hat seit jeher Sorgen.
Jeder jeweils sein Problem.

Jeder jagt nicht jede Beute.
Jeder tut nicht jede Pflicht. 
Jemand freut sich jetzt und heute.
Jemand anders freut sich nicht.

Jemand lebt von seiner Feder.
Jemand anders lebt als Dieb.
Jedenfalls hat aber jeder
jeweils irgendjemand lieb.

Jeder Garten ist nicht Eden.
Jedes Glas ist nicht voll Wein.
Jeder aber kann für jeden
jederzeit ein Engel sein.

Ja, je lieber und je länger
jeder jedem jederzeit
jedes Glück wünscht, umso enger
leben wir in Einigkeit.


Wundertütentage
wünscht Frau Rose




Montag, 19. Dezember 2016

Die Top 5 der Lieblings-Bücher zur Weihnachtszeit

Jetzt aber hurtig
So kurz vor Weihnachten möchten ich euch gerne noch meine 5 liebsten winterlichen oder weihnachtlichen Bücher zum Vorlesen vorstellen. 

Illustration/Copyright: Dorothea Ackroyd aus: "Das Weihnachtswunder" von Barbara Rose (Coppenrath Verlag)

Adventszeit und Weihnachten mit Kindern aber ohne Bücher? Geht gar nicht. 
Einfach herrlich, wenn wir gemeinsam auf dem Sofa sitzen, in Büchern blättern, vorlesen, Tee trinken und Plätzchen essen. Schöner kann die Vorbereitung auf Weihnachten nicht sein. Hier die Top 5 der winterlichen und weihnachtlichen Lieblingsbücher von Frau Rose: 


Diese liebevoll erzählte Weihnachtsgeschichte von Otfried Preußler (einem meiner Lieblingsautoren!) gibt es jetzt mit neuen, wunderschönen Illustrationen von Christiane Hansen. 
Der Inhalt: Als das Eselchen eines Morgens aufwacht, ist seine Mutter verschwunden. Wie gut, dass ihm ein kleiner Engel verrät, wo es sie finden kann: bei Jesus an der Krippe nämlich, im Stall. Gemeinsam machen sich das Eselchen und der Engel dahin auf und laden alle ein, sie zu begleiten. Viele Kinder, Hirten mit ihren  Schafen, sogar die Würstelfrau und der Herr Wachtemeister Dimpfelmoser folgen. Alle gemeinsam erreichen schließlich den heiligen Ort und erleben das Wunder von Weihnachten, Und natürlich findet das Eselchen dort auch seine Mutter wieder. 
(Thienemann Verlag)




Dieser Klassiker von Astrid Lindgren gehört bei uns ganz unbedingt zum Weihnachtswintergefühl dazu. Auch wenn es draußen gar nicht schneit, mit Maditas und Lisabets Geschichte kann man es sich zumindest bestens vorstellen.
Der Inhalt: Als es endlich schneit, spielen Madita und Lisabet wild und ausgelassen im Schnee. Leider erkältet sich Madita dabei so stark, dass sie am nächsten Tag nicht beim Weihnachtsgeschenke-Besorgen dabei sein darf. Aber Lisabet! Erst ist alles herrlich und schön. Doch dann steigt Lisabet übermütig auf den Schlitten von Andersson. Nichtsahnend fährt er immer weiter aus der Stadt weg, mitten in den Wald. Dort lässt der gemeine Kerl die kleine Lisabeth auch noch einfach aussteigen, nachdem er sie entdeckt hat. An dieser Stelle bleibt nicht nur meinen Kindern jedes Mal beinahe das Herz stehen ... . Doch alles wird gut, Lisabet wird von netten Menschen wieder nach Hause gebracht und darf sich gemütlich zu Madita ins Bett kuscheln. Ganz bestimmt ein Buch, das man immer wieder lesen möchte!
(Oetinger Verlag) 


Eine starke, ergreifende Geschichte von Jutta Richter, mit ebenso berührenden Bildern von Jacky Gleich.
Der Inhalt: Das Mädchen, das neu zugezogen und die Außenseiterin ist, möchte gerne die Maria im Krippenspiel sein. Doch eine dunkelhäutige Maria mit kurzen Haaren kommt überhaupt nicht infrage. So eine darf höchstens ein Schaf spielen. 
Und dann klappt es doch noch. Als die Hauptdarstellerin ausfällt, muss das Mädchen spontan einspringen, den Text kann es längst in- und auswendig. Endlich darf es die Maria sein und wird dafür am Ende - wie schön - mit tosendem Applaus bedacht.
(Hanser Verlag)
  

In diesem Vorlese-Buch sind so viele Geschichten drin, dass für jede Stimmung etwas Passendes dabei ist. 24 Geschichten verkürzen das Warten auf Weihnachten, erhöhen die Vorfreude oder machen einfach Spaß beim Lesen. Dabei ist die Mischung aus klassischen, bekannten Geschichten und neuen Texten besonders gelungen. Macht viel Spaß beim Vorlesen!
(Verlag Thienemann-Esslinger)

Dieses Buch mag ich sehr. Und das nicht nur, weil ich es selbst geschrieben habe, sondern weil es eine ganz andere Weihnachtsgeschichte ist. Frech, rotzig, witzig. Und weil Astrid Henn dazu großartige, humorvolle Bilder gezeichnet hat. Hier hatte der Coppenrath Verlag den Mut, eine ziemlich ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte zu veröffentlichen. Leider hat das Buch wohl nicht genug Leser begeistert, denn es wurde - kurz vor Weihnachten - aus dem Programm genommen. Sehr schade! 
Jetzt ist es nur noch gebraucht übers Internet, im modernen Antiquariat oder bei mir erhältlich (per Mail-Anfrage über meine Homepage).
Der Inhalt: Räuber Zaster ist sauer. Es ist kurz vor Weihnachten, aber er hat weder etwas zu essen noch ein warmes Dach über dem Kopf. Deshalb überfällt und entführt er kurzerhand den komischen Mann mit dem roten Mantel und dem weißen Bart, der mit seinem Schlitten durch den Wald  fährt. Räuber Zaster hofft natürlich, dass in seinen Päckchen etwas Essbares ist. Aber Fehlanzeige! Auch egal, dann werden die Päckchen eben auf dem Weihnachtsmarkt verscherbelt. Komisch nur, dass die Kinder gar kein Interesse an Spielzeug, Büchern und anderen schönen Dingen haben. Das bekommen sie nämlich angeblich alles vom Weihnachtsmann. Als der Räuber genauer nachfragt, beschreiben sie ihm diesen Mann ganz genau. Und plötzlich wird dem Räuber klar, wen er da gerade entführt hat ... 

Wundertütentage 
wünscht Frau Rose

Freitag, 2. Dezember 2016

Märchenhafte (Vor-) Weihnachtszeit

Endlich Dezember!

Auf die Weihnachtsdekoration freue ich mich das ganze Jahr. Jedes Mal überlege ich mir schon vorher, wie ich unser Haus gestalte, mit welchen (meist handgemachtenAccessoires, in welcher Farbe. Für mich der allerschönste Ausgleich zur Kopfarbeit am Schreibtisch



Rot und Grün, die klassischen Weihnachtsfarben, müssen sein. Das wirkt so gemütlichHier kann ich gut auf dekorativen Glitzer und Glimmer verzichten. Stattdessen ist es in diesem Jahr märchenhaft geworden. Ein bisschen Wald, Rehe, Pilze (einer mit leichtem Knacks), Tannenbäume.






Sogar die Jüngste hat fleißig mitgeholfen und unter der Leitung der geduldigen Alexandra Burkhardt von OlaCrochet einen Filz-Apfel-(Halter) samt Wurm gezaubert. Köstlich!

(Schaut mal auf ihre Homepage:
https://sites.google.com/site/olacrochet) 



Auch bei den Kissen bin ich dem Märchenwald-Thema treu geblieben. Vielleicht ein kleiner Hinweis auf eines meiner nächsten Bücher ... ?





Und beim nächsten Mal zeige ich euch, dass ich auch glitzern und glimmern kann!

Wundertütentage
wünscht Frau Rose











Sonntag, 20. November 2016

Lehrermund: Die Top 5


Die Herbstlesezeit ist vorbei. 
So langsam kehrt wieder Ruhe ein ins Autorenleben.
Jetzt ist Schreiben angesagt. 
Zeit für einen zweiten Rückblick
Denn nicht nur mit Kindern, auch mit Lehrern erlebt man bei Lesungen allerhand Geschichten!




Geschichten von Lehrern, die während der Lesung ihr Handy zücken und lautstark telefonieren. Aber auch Geschichten von Lehrern, die als kleines Geschenk extra Plätzchen gebacken oder dicke Socken für die immer frierende Autorin gestrickt haben. Geschichten von Lehrern, die mit der Klasse ein Plakat als Dankeschön gefertigt haben. In Blau, denn das ist meine Lieblingsfarbe. Mit kleinen Gummibärchen-Tütchen drumherum, weil ich Gummibärchen am liebsten mag. Und das Ganze haben Lehrer und Kinder zusammen im Internet recherchiert. 




Die Top 5 der besten Aussprüche von Lehrern aus meinen letzten Lesungen habe ich hier zusammengetragen: 



1. "Wir wollten es Ihnen vorher nicht sagen, aber Sie hatten ausgerechnet unsere anstrengendsten Kinder in der Lesung. Wir hätten nie gedacht, dass sie die komplette wilde Horde bändigen können. Hochachtung!"



2. "Das war klasse. Kommen Sie nächstes Jahr wieder?"





3. "Was? Ich soll hier bei meiner Klasse bleiben und zuhören? Ich dachte, Sie lesen aus einem  Kinderbuch!?"





4. "Wir haben Ihnen ausnahmsweise alle sechs Klassen, also die gesamten 170 Kinder in die Turnhalle gesetzt. Aber das stört Sie doch sicher nicht?"



5. "Jetzt konnte ich mich gar nicht mit meiner Kollegin unterhalten. Ich musste glatt zuhören, weil es so spannend war!"


Illustration und Copyright: Naeko Ishida aus: Die Feenschule / Oetinger Verlag


Ein bisschen werde ich die Kommentare der Lehrer und Kinder vermissen, wenn ich jetzt wieder brav im Büro und am Schreibtisch sitze. Aber jetzt muss mal Vorlese-Pause sein. Neue Figuren turnen schon auf meinem Schreibtisch herum, Geschichten wuseln in meinem Kopf hin und her. 
Neue Bücher müssen endlich geschrieben werden. 

Lasst euch überraschen!



Wundertütentage
wünscht Frau Rose