Dienstag, 2. Mai 2017

Ein Plädoyer für die Langweile

Mir ist sooooo langweilig! 
Was soll ich machen? 
Mir fällt gar nichts ein?

Diese genervten Aussprüche kennt wohl jeder, der Kinder hat. Was also tun? Sofort den Fernseher anschalten, den CD-Player holen, einen Ausflug machen oder die Spielesammlung auspacken?


Dabei könnte alles so einfach sein. 
Einfach mal nichts tun.
Gar nichts ... und zulassen, wie die Fantasie sprudelt.

Wie bei den Kindern in meiner folgenden Geschichte. Sie gehört zu den Siegern bei einem Schreibwettbewerb mit dem Titel "Was sollen wir machen?":



Ein richtig schöner Nachmittag

„Was sollen wir machen?“
„Keine Ahnung. Fällt dir was ein?“
„Nö.“
„Ich weiß auch nix.“
„Wir könnten Kaufladen spielen.“
Gelächter.
„Kaufladen! Das ist Babykram.“
„Echt nur für Pupsis.“
„Ihr seid doof. Das ist doch lustig. Mein Onkel, der hat einen Supermarkt. Da habe ich am Samstag geholfen.“
„Toll. Und?“
„Das war echt spannend! Da ist eine Frau reingekommen, die wollte fünfzehn Kokosnüsse haben. Mitten im Winter!“
„Und was ist da jetzt das Besondere dran?“
„Hey, die wollte fünfzehn Kokosnüsse kaufen. Auf einmal. Und sie war nicht allein. Die hatte echt total verrückte Typen bei sich.“
Stille.
„Was für Typen?“
„Affen. Fünf Affen. Echte.“
„So ein Quatsch!“
„Jetzt lügst du, oder?“
„Wenn ich es doch sage. Fünf Affen hatte die bei sich. Einer saß auf ihrem Rücken, zwei in ihrem Einkaufskorb
und zwei sind gelaufen.“
„Gelaufen? Auf zwei Beinen oder wie?“
„Genau.“
„Wow, dann waren die ja riesig!“
„Klar, das waren Menschenaffen.“
„Ist ja irre!“
„Der Typ schwindelt doch wie Sau!“
„Ich schwör´s. Mein Onkel und ich konnten uns kaum halten vor Lachen. Aber wir haben der Affentante dann die Kokosnüsse besorgt. Das hat ein bisschen gedauert, und deshalb haben wir sie ihr nach Hause gebracht.“
„Und?“
„Die hat in einem riesigen Haus gewohnt. Da standen überall Palmen rum, so ganz große. Und Seile waren durch das ganze Haus gespannt, da haben die Affen dran geschaukelt. Mindestens zwanzig!“
„Lügner!“
„Wenn ich ´s euch doch sage! Die Frau wollte die Kokosnüsse, weil einer von den Affen Geburtstag hatte. Die hatte überall Luftballons aufgehängt, und die Affen haben damit gespielt. Und Kokosnüsse gefuttert und wilde Sachen gemacht. Ich sage euch, das war so cool. Die Affentante hat uns dann eingeladen ins Haus. Und wir haben mit Kokosnüssen und Fanta Geburtstag gefeiert,  mein Onkel und ich und die ganze Affenbande.“
„Und die Affen? Haben die auch Fanta getrunken?“
„Nee, natürlich nicht. Da fällt mir ein. Ich habe tierisch Durst. Kriegen wir was zu trinken?“
„Super Idee.“
Tür auf, Tür zu, Kühlschrank auf, Kühlschrank zu,
Gläserschrank auf, Gläserschrank zu.
„He, trink doch nicht so schnell.“
„Und du verschüttest ja alles, pass doch auf.“
„Stell dich nicht so an, ist doch nur Apfelsaft.“
„Hast du ´ne Meise? Das ist nicht einfach Apfelsaft!“
„Schmeckt aber so.“
„Dann pass mal auf, dass du dich nicht vergiftest.“
Prusten.
„Spinnst du jetzt oder was?“
„Nee, der Apfelsaft könnte vergiftet sein. Den hat meine Mutter nämlich bei einer echt seltsamen Frau gekauft.“
„Wieso seltsam?“
„Die kam hier mit so einem Handwägelchen vorbei, gestern. Und hat selbst gemachten Apfelsaft verkauft. Total billig. Weil eine Flasche, hat die gesagt, eine Flasche könnte vergiftet sein. Aber das wäre dann ein ganz blöder Zufall, das könnte sie sich gar nicht vorstellen, dass das gerade uns passieren würde. Auf jede Fall würden wir ihn deshalb als Sonderangebot kriegen.“
„Willst du uns verarschen?“
„Nee, echt. Die hat voll seltsam ausgesehen, wie so ne Hexe. Die hat erzählt, dass sie schon seit vielen hundert Jahren Apfelsaft macht. Davor hat sie gezaubert und so. Und ganz früher, da hat sie dem Schneewittchen vergiftete Äpfel angeboten.“
Gelächter.
„Lacht ihr nur, aber, das ist wahr! Von den dämlichen Giftäpfeln wären ein paar übrig geblieben, und aus denen hat sie aus Versehen auch Saft gemacht.“
„Hahaha. Sehr witzig.“
„Hab ich auch erst gedacht. Aber lies mal, was auf der Flasche steht.“
„Hexenhäuschen. Bester Apfelsaft aus eigener Herstellung. Seit vielen Jahrhunderten.“
Stille.
„Komm, das hast du da jetzt schnell draufgeschrieben, oder?“
Scheppern.
„Hier. Noch vier Flaschen. So schnell kann ich ja wohl nicht schreiben, oder? Stimmt also.“
„Wieso kauft deine Mutter denn so einen Scheiß?“
„Mann, die waren billig.“
„Äh, ich habe keinen Durst mehr, glaube ich.“
„Ich auch nicht.“
„Und was machen wir jetzt?“
„Puh. Schwierig.“
„Echt keine Ahnung.“
“Wir könnten zu dir gehen und Computer spielen.“
„Au ja.“
„Super Idee.“
„Spitze.“
„Ach nee, lieber nicht. Unser Computer geht grade nicht.“
„Ist der kaputt oder was?“
„Nee, der schläft. Und da müssen wir ihn in Ruhe lassen, der ist nämlich sauer.“
„Der Computer?“
„Jaja, genau.“
„Du tickst doch nicht mehr richtig.“
„Wirklich, der ist stinkesauer. Und wenn wir ihn nicht in Ruhe lassen, dann frisst der uns noch auf.“
„So ein Käse!“
„Ein Computer kann nix auffressen.“
„Kann er wohl! Gestern hat er meinen großen Bruder in
sich reingezogen. Ich habe schon gedacht, jetzt ist der weg, mausetot. Aber der Computer hat ihn dann wieder ausgespuckt. Danach hat er aber überall blaue Flecken und Kratzer gehabt, mein Bruder.“
„Das glaube ich dir nicht.“
„Wieso soll so ein Computer einen auffressen?“
„Weil der mal seine Ruhe haben wollte. Mein Bruder sitzt da den ganzen Tag davor und hackt auf den Tasten rum. Und das ist dem Computer zu blöd geworden. Der wollte mal seine Ruhe haben. Aber mein Bruder hat nicht aufgehört.“
„Und da hat ihn der Computer ordentlich vertrimmt, was?“
„Genau.“
„Ich lache mich tot.“
„Guckt mal. Da läuft mein Bruder.“
„Was glotzt ihr? Noch nie ein paar blaue Flecken gehabt?“
Haustür knallt.
„Hätte ich nicht gedacht, dass das stimmt mit dem Computer.“
„Hmm.“
Schweigen.
„Mensch, jetzt ist es aber spät geworden. Ich muss heim.“
„Ich auch.“
„Wartet, ich komme mit.“
„Und morgen? Machen wir da wieder was zusammen?“

 (Copyright: Barbara Rose )  


Wundertütentage
wünscht Frau Rose

Sonntag, 2. April 2017

Der Frischekick

Her mit dem Frischekick!
Das denke ich mir immer kurz vor Ostern. Dann habe ich die Nase endgültig voll von Fellkisssen und Kuscheldecken, von erdigen Farben und Brauntönen. Dann brauche ich Zitronenfalter und Mimosen, gelbe Tulpen und viel, viel Sonne oder zumindest die Sonnenfarbe: Gelb!


Zugegeben: Nicht jeder mag diese Farbe. 
Gelb ist auffällig, wirkt wie ein Paukenschlag und lässt sich nicht leicht kombinieren. Ich mag am liebsten Gelb und Weiß.



Das erzeugt sommerliche Frische, wirkt hell und fröhlich. Gelb und Weiß - zwei Farben, die jeden Raum offen und luftig machen.  Zu viel davon kann aber schnell auch wieder blöd aussehen. Ich setze Gelb lieber sparsam ein. Hier einige Schalen, dort ein paar Kissen, so einfach entsteht für mich ein frühlingshaftes Wohngefühl ...




... und nach und nach stellt sich mit dem leuchtenden Gelb um mich herum, mit Winterlingen und Narzissen, dann auch wieder das wunderbare Zuckerwattesommerleichtgefühl ein.
Jahr für Jahr ebenso pünktlich wie die 

Sommerzeit
(von Paul Maar)

Im März ist´s wieder mal so weit:
Heut Nacht beginnt die Sommerzeit,
die Uhr, sie wird zurückgestellt.
Der Hofhund wundert sich und bellt.
"Was ist da los? Das gibt´s doch nicht!
Jetzt brennt ja morgens um halb fünf
bei meinem Bauern schon das Licht!"
Die Kuh im Stall sagt: "Das ist neu:
Jetzt gibt´s um fünf schon Gras und Heu!"
Den Hühnern ist das viel zu dumm.
Sie kommen einfach nicht heraus.
Für sie stellt sich die Zeit nicht um,
sie schlafen noch im Hühnerhaus.


Wundertütentage
wünscht Frau Rose



Freitag, 3. März 2017

Im Trend: Einhörner

Neulich hatten wir eine Diskussion unter Autorenkollegen. Es ging hoch her. Das Thema: Einhörner! 


Von "Sind die kitschig!" und "Wie kann man darüber nur schreiben?" über "Die sind so hübsch!" bis "Dazu fällt mir gar nichts ein" war alles dabei.
Und ich?
Ich mag sie. Die Einhörner. Gerade ist eins bei uns eingezogen; 
Jolanda. 



Beim Schreiben halte ich es mit vielen geschätzten Kollegen  - von Max Kruse über Otfried Preußler bis zu Cornelia Funke. Auch sie hatten und haben keine Berührungsängste. 
Drachen und Feen, Kobolde, Greife und Hexen, Meerjungfrauen, Wassergeister, Riesen und andere Fabelwesen gehen immer. Gewusst-wie.



Auch ich nutze die besondere Magie der Fabelwesen.  
Meine Einhörner sind stark, selbstbewusst oder scheu, mutig, hilfsbereit oder verletzlich, aber nie dämlich.
So wie das Einhorn Jolanda aus meinem aktuellen Buch 

Die Feenschule - Ein Einhorn für Rosalie, 
genial illustriert von Naeko Ishida:


Copyright: Naeko Ishida/Oetinger Verlag
Copyright: Naeko Ishida/Oetinger Verlag
Copyright: Naeko Ishida/Oetinger Verlag

Und wisst ihr, was ich gerade mache?
Ich schreibe an einem neuen Buch ... 
auch darin spielen Einhörner wieder eine große Rolle!




Wundertütentage
wünscht Frau Rose

Samstag, 11. Februar 2017

Kinder und Kreativität

Alle Kinder sind kreativ, ob sie es bleiben, hängt von uns ab!


Dieser Satz eines bekannten Kunstpädagogen fällt mir immer ein, wenn ich einen meiner Workshops 
"Literatur kreativ" oder "Literatur bewegt" 
mit Kindern mache.
Diese Kurse liegen mir besonders am Herzen, weil sie so vielseitig sind. Hier arbeite ich nicht allein vor mich hin, sondern schließe mich mit anderen Kreativen zusammen: aus den Bereichen Bildhauerei, Malerei, mit Tanz- und Theaterpädagogen
Was für eine Fantasie! Was für ein Spaß! Wie viel Potential


Tatsächlich fällt es den Kindern am Anfang nicht leicht, dass sie hier frei sprechen sollen. Dass sie Geschichten erzählen sollen, ohne sie vorher aufgeschrieben zu haben. 

Dass sie innerhalb kurzer Zeit kleine Theaterstücke spielen, ihre Kulissen selbst bauen, ihre Kostüme selbst herstellen sollen. 




Aber beim freien Erzählen, beim Malen, Tanzen, Basteln, Lachen und Toben löst sich jede Anspannung. Alle arbeiten konzentriert zusammen. Erwachsene und Kinder. Aus einfachen Pappkartons entstehen verrückte Roboter. Ein Schuhkarton wird zum Puppentheater. Als Vorhang für das Theater dient ein Bettlaken. Das Klassenzimmer wird zur Bühne. Auf dem Rand eines ausrangierten Hutes entsteht eine Fantasielandschaft. Jeder trägt etwas dazu bei und schaut über den eigenen Tellerrand hinaus. Mit wunderbaren Ergebnissen. 





Ein Hoch auf alle Kollegen, die mit mir gemeinsam kreativ werden.
Ein Hoch auf unsere Kursteilnehmer, die beweisen:
Alle Kinder sind kreativ, ob sie es bleiben, hängt von uns ab!



Die Kurse "Literatur kreativ"  und "Literatur bewegt" können über mich gebucht und über meine Homepage angefragt werden:
www.barbara-rose.info


Wundertütentage 
wünscht Frau Rose


Dienstag, 24. Januar 2017

10 Gründe für Gemütlichkeit

Wenn es draußen kalt oder garstig ist, brauche ich es besonders gemütlich. Das geht am besten mit meinen 10 Favoriten für echten Winterzauber:





1. Vorrangig möchte ich es natürlich drinnen, im Haus, mollig warm und kuschelig haben. Aber auch gemeinsame Abend mit Freunden und/oder Familie am Feuerkorb sind sehr gemütlich . Diese herrliche Winterluft, das prasselnde Feuer, warme Getränke und gute Gespräche. Ich liebe es. Mütze, Schal und Handschuhe an, dann ein Glas Glühwein oder Tee. Winterwunderland!



2. Mein Favorit für drinnen: Fell in vielen Variationen. Uaargh, ich höre schon wieder den Aufschrei. FELL! Aber das gibt es längst so derart echt unecht, dass damit keiner mehr Probleme haben muss. Hauptsache gemütlich! 





3. Darauf kann ich nicht verzichten: Kerzen! Dicke, dünne, große, kleine. Natürlich gibt es da Qualitätsunterschiede, lasst euch davon nicht verrückt machen. Häufig geben gerade teure Kerzen den meisten Ruß beim Auspusten ab. Wo und was ihr kauft, das könnt allein ihr entscheiden. Besonders schön: eine Kerze mit Dekoration in einer Schale oder viele Kerzen in unterschiedlicher Größe auf einem Tablett arrangiert. Wusstet ihr, dass der Blick in ein Meer von Kerzenlicht ähnlich wie ein Stück Schokolade Glückshormone auslöst? Habe ich doch schon immer geahnt ... 




4. Düfte! Duftkerzen sind Umweltsünden, sagen viele. Ich mag sie trotzdem. Und wenn es keine Duftkerzen sein dürfen, nehme ich im Winter auch gern Kerzen aus Bienenwachs. Erinnert mich an meine Kindheit. 

5. Kissen. Sie sind überhaupt mein Favorit für jede Art von kleiner oder größerer Wohnungsveränderung. Wer kann sich schon alle paar Monate ein neues Sofa oder einen aktuell angesagten Designersessel leisten? Mit Kissen lässt sich jede Wohnung, jedes Zimmer sofort umstylen. Wenn ihr in der Farbfamilie bleibt, könnt ihr hemmungslos Muster und Stile kombinieren. Sehr cool!





6. Dieser Trick ist so einfach, zeigt aber große Wirkung: weiche Decken oder Plaids regen sofort zum Kuscheln an. Ganz einfach gleich mehrere auf dem Sofa oder einer alten Leiter drapieren, das lockt an kalten Wintertagen zum Kuscheln ein. Kein Problem, wenn es sich auch die Gäste gemütlich machen wollen. Einfach Schuhe aus, Wollsocken und genug Decken bereit halten. .



7. Accessoires sollten Natürlichkeit und Wärme ausstrahlen oder sich in Form und Farbe an der sanften Grundfarbe Braun orientieren. Wer es üppig mag, kann also gut zu Kupfer oder Gold greifen! Auch rustikale Holzbrettchen, unbehandelte Hölzer, Zapfen oder andere Walddeko sorgen für Gemütlichkeit.

8. Persönlichkeit ist wichtig! Das Strandgut vom letzten Urlaub, eine selbstgemachtes Deko-Objekt, ein Bild, das dein Kind gemalt hat. Super! Passt genau, her damit. Völlig egal, ob das Anderen gefällt. Zum Einrichten gehört Selbstbewusstsein. Persönliche Andenken, Fotos, Kunst oder Kitsch. Alles ist möglich, wenn es zu dir und der von dir angestrebten Farbwelt passt!






9. Gemütlichkeit ist gut für das Wohlbefinden. Ein kräftiger Tee, ein Glas Rotwein, ein schöner Früchtepunsch - mit oder ohne Alkohol. All das kann zur Gemütlichkeit beitragen. Mein Favorit: ein gutes Buch und ein Glas Rotwein in gemütlicher Atmosphäre. Großartig!



10. Die kleinen, feinen Dinge: eine Zeitschrift, die zum Lesen einlädt. Ein Teller mit Obst, eine Schale mit Gebäck. Eine Karaffe mit Wasser und zwei, drei Gläser. Frische Blumen. All diese Dinge signalisieren dir und deinem Partner, deiner Familie oder Gästen: Lasst euch gerne hier nieder. Macht es euch gemütlich. Ihr seid herzlich willkommen!




Wundertütentage
wünscht Frau Rose